UCC: Address by Ruairí Ó BrádaighHat der irische Republikanismus eine Zukunft?
Eine Debatte am University College Cork
Am 28. Jänner sprach der Präsident von
Republican Sinn Féin, der ältesten Partei Irlands, Ruairí Ó Brádaigh, auf einer Diskussionsveranstaltung der
Philosophical Society am
University College Cork (U.C.C.). Er argumentierte dabei gegen die, auf der Einladung zu der Debatte formulierte Behauptung „
Dieses Haus ist der Meinung, dass der irische Republikanismus keine Zukunft hat“.
In Verteidigung dieser Behauptung sprach Derek Doyle, ein ehemaliger Auditor der Gesellschaft, der für Eoghan Harris, ehemaliges Mitglied der 1969 gegründeten
Official Sinn Féin, der in letzter Minute abgesagt hatte, einsprang. Der Debatte saß Ross Fernett, Auditor der
Philosophical Society, vor.
Im folgenden dokumentieren wir den Wortlaut von Ruairí Ó Brádaighs Rede:
„In Opposition zu der Behauptung ‚
Dieses Haus glaubt, dass der irische Republikanismus keine Zukunft hat’, werde ich meine Argumentation auf dem Fundament der Existenz der historischen, irischen Nation aufbauen.
„Ich zitiere aus dem letztjährigen Beitrag von Sylvie Kleinman vom Institut für Neuere Geschichte des Trinity College Dublin in einem Band mit dem Titel ‚Reinterpreting (Robert) Emmet’, in dem sie besonderes Augenmerk auf Emmet’s Mission nach Frankreich legt: ‚Ein gemeinsamer Nenner zeiht sich durch die umfangreichen Manuskripte, die detailliert die offizielle Haltung Frankreichs gegenüber Irland und den United Irishmen
, nämlich, dass sie sich konsequent als Vertreter einer Nation, eines Volkes , welches nach französischer Sicht ihren Platz unter den Völker der Erde behaupten könne.’
„Dokumente aus dem irischen College in Louvain, das heute in Belgien liegt, benutzten vor 400 Jahren den Begriff ‚náisiú’ (Oir. auch ‚náisión’: Nation, Volk) in Beziehung zu Irland und ‚Éireannach’ (Nir.: Irisch, sowie Ire) anstatt von ‚Gael’ (Nir: Gäle; Oir. gáel: Verwandtschaft, Freundschaft) und ‚Gael-Ghael’ (Nir: gälischer Gäle) für die irische Bevölkerung. Wir sind weder eine revoltierende Kolonie, noch ‚eine Sandbank, aufgeworfen durch Wind und Wellen’, wie es Thomas Davis formulierte, sondern ein altes Volk.
„Es folgt daraus, dass es immer einen Teil des irischen Volkes geben wird, der sich der englischen Herrschaft hier widersetzen wird. Das Belfast-Abkommen von 1998 bringt nicht den endgültigen Rückzug der britischen Regierung aus Irland und kann daher nicht als endgültige Lösung angesehen werden.
„Das Abkommen brauchte neun Jahre, um ratifiziert zu werden und es ist im Grund eine künstliche Konstruktion zur Sicherung der britischen Herrschaft in einem künstlich geschaffenen Bereich Irlands und zur Sicherung der britischen Interessen durch die 26-Counties.
„Es hat zur Bildung eines ‚institutionellen Sektierertums’ geführt, dass das Recht aller Menschen von Irland auf Selbstbestimmung verleugnet. Mittel- bis langfristig wird dieses künstliche Gebilde zusammenbrechen. Als das Stormont-Budget letzte Woche abgestimmt wurde, war einzig die kleine Alliance Party dagegen. Man sieht, es gibt keine Opposition.
„Das Abkommen hat einzig und alleine dazu geführt, dass ehemalige Republikaner als Agenten des britischen Imperialismus arbeiten. Eine solche Vereinbarung kann niemals als eine langfristige Lösung gesehen werden. Währenddessen wächst die nationalistische Wählerschaft, was auf lokaler Ebene auch klar ersichtlich ist. Allerdings, auf eine kleine Mehrheit an Nationalisten in den sechs Counties innerhalb eines manipulierten Irland zu hoffe, kann nicht der Weg vorwärts sein. Im Laufe der Zeit stellt sich dann die Frage: ‚Sind sie noch immer Republikaner geblieben?’
„Republikaner haben, um dieser Situation zu begegnen, ein völlig neues Irland – Éire Nua – vorgeschlagen, zusammengesetzt aus einer 4-Provinz-Föderation, die auch das aus neun Counties bestehende Ulster inkludiert. Alle Entscheidungen der Regierung, mit Ausnahme von auswärtigen Angelegenheiten, nationaler Verteidigung und der gemeinsamen Finanzierung, würden auf provinzialer Ebene oder darunter gefällt werden.
„In einem 9-County-Ulster hätte die unionistisch-orientierte Bevölkerung eine funktionale Mehrheit mit den Nationalisten eng hinter ihnen und innerhalb der Reichweite der Entscheidungsfindung. Wir hätten eine maximale Dezentralisierung der Legislative durch starke regionale Gremien und leistungsfähige Bezirksräte, die von der lokalen Mehrheit kontrolliert werden würden. In anderen Worten: natürliche horizontale Machtteilung würde die gegenwärtigen vertikalen Abkommen ersetzen.
„Wir wollen die Unionisten politisch nicht an die Klippe zurückdrängen, wo sie umso mehr gegen uns opponieren würden. Noch wollen wir sie als eine permanente und verärgerte politische Minderheit in einer Ecke Irlands haben. Neben dem, würden die skizzierten Vorschläge mehr im Einklang mit den Ideen von Wolfe Tone und Thomas Davis stehen.
„In den 1970ern gab es Sondierungen mit jeder Schattierung des Unionismus, um zu erfahren, welche Reaktion wir erhalten. Das Resultat auf die Frage war in allen Fällen dasselbe: ‚Was würden sie tun, wenn die Briten aus Irland abziehen würden?’ Die erste Möglichkeit waren unabhängige sechs Counties. Wir glauben nicht, dass so etwas lebensfähig wäre. In diesem Fall meinten alle, dass sie für unsere ‚4-Provinzen-Idee’ als das ‚großzügigste Angebot’ stimmen würden. Erst neulich, letzten September, reagierte eine Delegation der Ulster-Scots Society bei einem Seminar in der Stadt Donegal auf die gleiche Art und Weise: ‚Provinzialregierung’ sei, was sie interessiere.
„Abgesehen von der Erbringung einer Lösung in der Ulster-Frage, würde es die Entscheidungsfindung näher zu den Menschen bringen und helfen, ein nationales Ost-West-Ungleichgewicht in der Wirtschaft auszugleichen. Republikaner sind der Auffassung, dass derartige Strukturen notwendig sind, um Gerechtigkeit für alle, inklusive der 18% der gesamten Bevölkerung, die unionistische Position unterstützen, zu garantieren.
„Zur Umsetzung dieser Vorschläge fordert Republican Sinn Féin die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, gewählt von allen erwachsenen Männern und Frauen der gesamten Bevölkerung Irlands. Anstatt zwei verschiedene Arten von Fragen in zwei Teilen Irlands zu debattieren, um so einen gemeinsamen Weg vorwärts für das gesamte Land zu finden, sollte das irische Volk als eine Einheit agieren können, es muss frei sein, um sein nationales Recht aus Selbstbestimmung ausüben zu können.
„Diese gewählte Versammlung hätte als einzige Aufgabe einen Entwurf für eine neue Verfassung auszuarbeiten, der danach von der Bevölkerung in einem Referendum akzeptieren oder abgelehnt werden würde.
„Die Beziehungen der irischen Bevölkerung untereinander und ihre äußeren Beziehungen zu Europa und dem Rest der Welt würden durch eine freie und offene Debatte bestimmt werden.
„Vor der Einrichtung dieser verfassungsgebenden Versammlung müsste die britische Regierung jedoch erklären, innerhalb von 12 Monaten nach der Annahme der neuen Verfassung durch das Volk von Irland seine Streitkräfte und die Verwaltung aus Irland abzuziehen. Zusammen mit den oben genannten Forderungen muss es eine Amnestie für alle politischen Gefangenen und Personen, die gesucht werden, geben.
„Der Beginn des Zusammenbruchs des ‚Vereinigten Königreichs’ mit der Etablierung eines schottischen Parlaments und einer walisischen Versammlung sind erste Schritte zu einer Keltischen Liga, für die Republikaner seit 1979 eintreten. Eine solche Körperschaft, nach dem Vorbild der Nordischen Liga oder der Arabischen Liga, würde das neue Irland, Schottland, Wales und die Bretagne, und womöglich gar die Isle of Man und Cornwall, umfassen.
„Ist eine Zukunft, wie sie hier beschrieben wird, nicht der Mühe wert? Republikaner würden aber noch weiter gehen und für eine Demokratische Sozialistische Republik und eine Grüne Republik eintreten, wie sie die politischen Dokumente von Republican Sinn Féin beschreiben. Es wurde im Jahr 1921 geprahlt, dass Lloyd George die irische Frage gelöst hätte. Dann, 77 Jahre später wurde abermals behauptet, dass Belfaster Abkommen hätte sie gelöst. Doch wartet weiterhin darauf gelöst zu werden. Und auch dann, wenn der Kampf endgültig zu Ende sein wird, wird die Arbeit für Freiheit weitergehen.
„Es gibt eine Zukunft!“
Damit beendete Ruairí Ó Brádaigh sein Statement. Es folgte eine lebhafte Debatte, infolge derer die Positionen vom Publikum diskutiert wurden.
Irish Republican Information Service no. 134